BIENE Award 2005
Barrierefreiheit im Internet - Gold für RRZE
Im Dezember 2005 vergaben die Aktion Mensch und die Stiftung Digitale Chancen den BIENE-Award (BIENE steht für "Barrierefreies Internet eröffnet neue Chancen") für die besten deutschsprachigen barrierefreien Internetauftritte. Als bundesweit einziges Hochschul-rechenzentrum wurde das Regionale RechenZentrum Erlangen (RRZE) im Rahmen eines Festaktes am 10. Dezember in Potsdam mit einer goldenen BIENE ausgezeichnet. Drei weitere goldene BIENEN gingen an den Landtag Nordrhein-Westfalen, das Landesportal Baden-Württemberg und das Theologische Seminar der Fachhochschule Elstal in Brandenburg.
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Anatom5
Eine mustergültige Umsetzung der Kriterien der Barrierefreiheit sowie uneingeschränkte Zugänglichkeit für alle Nutzer wurde dem RRZE von der prominent besetzten Jury aus Medienmachern und Multiplikatoren nach umfangreichen Testverfahren bescheinigt. Klares Design und übersichtliche Strukturen sind die Kennzeichen barrierefrei gestalteter Internetpräsenzen. Menschen mit Behinderung erhalten damit die gleiche Chance sich zu informieren und zu kommunizieren. Darüber hinaus lassen sich alle Seiten auch mit älteren Browsern oder mobilen Geräten aufrufen.
Dass barrierefreie Webseitengestaltung zunehmend wichtig, ja sogar selbstverständlich wird, hat Wolfgang Wiese, der Leiter des RRZE-Webteams, bereits vor Jahren prophezeit. Bereits 1994 hat das RRZE begonnen, wichtige Informationen im World Wide Web (WWW) zu publizieren. Schon damals hatte man sich zum Ziel gesetzt, die Inhalte nicht nur gut zugänglich und leicht verwaltbar zu machen, sondern auch die vielfältige Internet-Software zu unterstützen.
Als der IT-Dienstleister der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sorgt das RRZE seit Jahrzehnten für eine funktionierende IT-Infrastruktur an Bayerns zweitgrößter Hochschule. Es unterstützt im Rahmen des Regionalkonzepts weitere Hochschulen und Universitäten in der Umgebung. Als Schnittstelle zwischen Forschung und Technik begreift sich das RRZE als Zentrum computertechnologischer Kompetenz in der Hochschullandschaft Nordbayerns und als Partner der Wissenschaft. Seit April 2004 präsentiert das RRZE sich und seine Dienstleistungen im Internet in komplett neuer Optik und mit verbesserter Technik. Unter Berücksichtigung der Richtlinien zu Barrierefreiheit und Benutzerfreundlichkeit, die in der entsprechenden Informationstechnik-Verordnung (BITV) zusammengefasst sind, aber auch mit einer durchdachten Verwaltung der Webseiten, ist es dem RRZE gelungen, ein Musterbeispiel für moderne Webseiten zu geben: zukunftssicher, barrierefrei und kostengünstig.
Eine Vielzahl neuer Gestaltungstechniken und ausgereifter Internetbrowser gibt
Entwicklern mehr Freiheiten – macht vielleicht aber gerade deshalb die
Umsetzung auch so schwierig. Ein Ziel ist dennoch über die Jahre gleich
geblieben: Der Webauftritt muss in erster Linie intuitiv verstehbar und Inhalte
müssen leicht zu finden sein. Untersuchungen haben gezeigt, dass Webseitenbesucher
innerhalb weniger Sekunden entscheiden, ob die gewählte Seite für
sie die richtige ist oder nicht. Eine Webseite, die nicht auf Anhieb überzeugt,
wird schnell wieder verlassen. Deshalb ist es nur zu verständlich, dass
die Stichworte “Usability” und „Accessibility” seit
einigen Jahren immer mehr an Bedeutung gewinnen – dabei geht es inzwischen
nicht nur um die Bedienbarkeit und die Barrierefreiheit einzelner Webauftritte,
sondern von interaktiven digitalen Medien allgemein. In diesem Rahmen spielt
auch das Design eine wesentliche Rolle, für das die Bremer Webdesignerin
Cornelia Lange (
www.clkm.de) gewonnen werden
konnte.
Mehr als 320 Teilnehmer aus Einrichtungen der öffentlichen Hand, aus bundesweit arbeitenden Organisationen, Vereinen oder Selbsthilfegruppen sowie aus der Wirtschaft wetteiferten seit dem 02. August 2005 in den fünf Kategorien um eine Auszeichnung, die für Kommunikation, gemeinsames Handeln und produktives Miteinander steht. Die vier besten Webauftritte wurden jeweils mit einer goldenen BIENE ausgezeichnet: das Regionale RechenZentrum Erlangen und das Theologische Seminar der Fachhochschule Elstal in Brandenburg in der Kategorie Bildung, Wissenschaft und Forschung, der Landtag Nordrhein-Westfalen sowie das Landesportal Baden-Württemberg in der Kategorie E-Government/E-Democracy.
Ganz im Sinne des Wettbewerbs werden am Institut für Informationsmanagement Bremen die Webauftritte zunächst auf die Einhaltung von Basisanforderungen der Barrierefreiheit geprüft und es erfolgt eine erste Auslese. In einem weiteren Schritt untersucht das Evaluationsteam die Beiträge anhand eines umfangreichen Prüfkatalogs unter anderem nach Kriterien wie Variabilität der Präsentation, Navigation, Sitestruktur, Lesbarkeit, Kompatibilität und Datenschutz. Webauftritte, die auch den Feintest überstehen, müssen abschließend in einem Praxistest, den Menschen mit verschiedenen Behinderungen durchführen, ihre Alltagstauglichkeit unter Beweis stellen.
Das RRZE hatte sich mit seinem Webauftritt bereits 2004 für den begehrten
Preis beworben und kam in die Endrunde. „Diesmal waren wir sehr zuversichtlich,
da wir das Feedback der Jury aus dem letzten Jahr konsequent umgesetzt und die
Zugänglichkeit unserer Webseite im Detail weiter verbessert haben.“,
bekunden die Mitarbeiter des RRZE-Web-Teams, Wolfgang Wiese, Volker Buzek, Norbert
Henning und Daniel de West einstimmig. Ein herausragender Erfolg, berücksichtigt
man die große Anzahl von Einzelseiten und die komplexe Struktur des Webauftritts,
der sich mit seinem vielfältigen Angebot an viele verschiedene Kundengruppen
wendet.
„Die für das Finale qualifizierten Beiträge beweisen, dass es
in allen Bereichen möglich ist, Internetangebote barrierefrei umzusetzen“,
so Jutta Croll, Geschäftsführerin der Stiftung Digitale Chancen. Am
Ziel sei man dennoch erst, „wenn alle Webseiten für alle Nutzer zugänglich
sind“.
Die Bedeutung dieses Zieles und die Freude über die bislang gemachten Fortschritte
auf dem Gebiet der Herstellung von Barrierefreiheit bei Information und Kommunikation
hob auch Karin Evers-Meyer, die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung hervor.
In ihrer Festrede betonte sie den Stellenwert des BIENE-Awards, der ihrer Meinung
nach einen entscheidenden Teil zum Zusammenspiel zwischen gesetzgeberischen
Maßnahmen und der Umsetzung in der Praxis beigetragen habe.
Nicht nur die Zahl der Mitstreiter, sondern auch die Qualität der Webseiten
habe deutlich zugenommen, freut sich Iris Cornelssen, Projektleiterin für
den BIENE-Award bei der Aktion Mensch über die hervorragende Akzeptanz
des Wettbewerbs und die vielen guten Ergebnisse. „Das ist ein eindeutiges
Zeichen, dass Barrierefreiheit für immer mehr Anbieter und Entwickler ein
Qualitätsmerkmal ist.“
Dabei muss gute Qualität nicht immer teuer sein: „Auch bei knappem
Budget ist es möglich, mit einem engagierten Team einen komplexen Webauftritt
zu gestalten, nachhaltig zu betreuen und die Verordnungen und Regeln zur Barrierefreiheit
umzusetzen“, verdeutlicht Wolfgang Wiese. Es darf auch vermutet werden,
dass der Webauftritt des RRZE unter allen Kandidaten einer der kostengünstigen,
wenn nicht sogar der kostengünstigste ist.
Für das Webteam des RRZE ist eine Erfahrung besonders wichtig: Das Primat der Barrierefreiheit führt zu einer zeitsparenden und damit kostengünstigeren Administration und mehr Interaktivität. Dies hat wiederum eine größere Aktualität zur Folge.
Bei derzeit über 450 Webauftritten von Einrichtungen der FAU, die vom vierköpfigen Web-Team des RRZE auf den RRZE-Servern verwaltet werden, ist diese Auszeichnung sicherlich auch für Andere innerhalb und außerhalb der Hochschule Motivation und Ansporn, dem Thema Barrierefreiheit zukünftig noch mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Die FAU und das RRZE werden ihren Beitrag dafür auch gerne weiterhin leisten.
Weitere Informationen zur Entwicklung des neuen RRZE-Webauftritts erhalten
Sie unter der Projektbeschreibung RRZE-Web.



